Zwischen Dorfplatz und Digitalisierung
- Christian Liechti

- 15. März
- 3 Min. Lesezeit
Wie Schweizer Regionalbanken 2026 ihren Weg finden – und was es von Mitarbeitenden und Führung braucht
Stell dir eine typische Schweizer Regionalbank im Jahr 2026 vor. Ein Haus mitten im Dorf, vertraute Gesichter in der Kundenhalle, kurze Wege, Entscheidungen im direkten Dialog. Die regionale Verbundenheit ist hier mehr als Marketing – sie ist DNA.
Doch auch für diese Banken gelten die gleichen Trends wie für die grossen Player. Nur wirkt alles unmittelbarer: jede Veränderung, jeder Kostendruck, jede neue Erwartung der Kundschaft.
Und genau daraus entstehen neue Anforderungen – an die Mitarbeitenden, aber auch an das Management.
Wenn Margen schrumpfen, steigen die Erwartungen an Entscheidungsstärke
Die jüngsten Zahlen zeigen: Auch Regionalbanken spüren den Druck sinkender Margen und steigender Kosten. Daher braucht es heute im Management:
Führungsanforderungen
Klarheit schaffen trotz Unsicherheit
Entscheidungen schneller treffen
Priorisieren, was wirklich Wirkung zeigt
Strategien kommunizieren, die verständlich und anschlussfähig sind
Gerade weil Regionalbanken überschaubare Strukturen haben, ist Führung hier nicht abstrakt – sie ist sichtbar, spürbar, wirksam.
Effizienz wird Teil der Kultur
Prozesse werden digitaler, automatisierter, teilweise KI‑gestützt. Nicht nur, um Kosten zu sparen – sondern um den Mitarbeitenden Zeit für das zu geben, was Regionalbanken stark macht: echte Nähe zur Kundschaft.
Das bedeutet:
Differenzierte Anforderungen an Mitarbeitende
Offenheit gegenüber digitalen Tools
Bereitschaft, Routinetätigkeiten neu zu denken
Verständnis, wie KI sie unterstützen kann
Fähigkeit, Beratung und Technik sinnvoll zu verbinden
Anspruch an Führungskräfte steigt
Digitalisierung verständlich machen
Weiterbildung ermöglichen und aktiv fördern
Ängste adressieren, bevor sie zu Widerstand werden
Vorleben, was „effizient“ und „kundenfokussiert“ bedeutet
KI – der neue Assistent im Hintergrund
2026 ist KI kein Zukunftsversuch mehr, sondern Arbeitsalltag. Für Regionalbanken kann das bedeuten:
Automatisierte Dokumentenprüfung
Digitale Assistenten für Kundendossiers
Objektivere Entscheidungsunterstützung bei Kreditanträgen
Was zählt, ist nicht Perfektion – sondern Praxistauglichkeit.
Was es dafür braucht:
Mitarbeitende
Menschen verstehen und begleiten
Kompetenz im Umgang mit KI‑gestützten Systemen
Fähigkeit, Ergebnisse kritisch einzuordnen
Souveränität, Kundinnen und Kunden digitale Unterstützung zu erklären
Führung
mit einem übergeordneten Ziel (Vision) gemeinsam auf den Weg gehen
die Mission als Sinn-Bild für jede Aktivität
Anspruchshaltung zur Führung und Verantwortungsübernahme
Klare Prozessvorgaben und Aufträge
Verantwortlichkeiten für Datenqualität
Mut, pragmatische Lösungen einzuführen statt „grosse Würfe“ zu planen
Open Banking und Payments – Zusammenarbeit statt Überforderung
Für grosse Banken sind neue Zahlungswege strategisches Terrain. Für Regionalbanken sind sie vor allem eines: eine Chance, durch Kooperationen konkurrenzfähig zu bleiben.
Was das Team leisten muss:
Grundverständnis für neue Zahlungswege
Flexibilität, mit Partnern und Verbundlösungen zu arbeiten
Fähigkeit, Kundschaft einfach und verständlich zu begleiten
Was das Management leisten muss:
Technologiepartner bewusst auswählen
Übernehmen, was sinnvoll ist
Die Balance finden zwischen Innovation und Stabilität
Vermögensberatung im Wandel
Nicht nur die Generation Z und junge Familien betreten die Vermögenswelt anders: digitaler, informierter, gleichzeitig beratungsbedürftig. Regionalbanken sind prädestiniert für dieses Segment – wenn die Beratung zeitgemäss bleibt.
Mitarbeitende in der Beratung sind anders gefordert:
Beziehungen aufbauen
Menschen und deren Bedürfnisse verstehen
Digitale Investment-Tools souverän bedienen
Komplexe Finanzthemen einfach erklären
Vertrauensbeziehungen digital begleiten und verstärken
Die neue Erwartungshaltung Kundschaft verstehen
Führungskräfte sind verpflichtet:
eine moderne Beratungsphilosophie zu etablieren
Mitarbeitende fortlaufend im Investmentbereich weiterzubilden
Beratungsqualität messen und weiterentwickeln
Hybridmodelle (persönlich + digital) ermöglichen und einfordern
moderne Infrastruktur – aber im Mass der Region
Modernisierung ist nicht optional, Regionalbanken müssen sie ressourcenschonend gestalten.
Zukunft vor Augen haben:
Koordinieren statt alles selbst entwickeln
Mut zum Outsourcing, wo sinnvoll
Investitionen priorisieren, die echten Nutzen bringen
Mitarbeitende benötigen:
Digitale Souveränität
Bereitschaft, neue Systeme anzunehmen
Verständnis für Datenschutz und Sicherheit
Welche Kompetenzen sind entscheidend
Ein aktuelles Kompetenz‑Portfolio sollte klar widerspiegeln, was 2026 von Teams und Führung verlangt wird:
Mitarbeitende
Beziehung zu Menschen aufbauen und pflegen
Digitale Grundkompetenz und KI‑Verständnis
Kundenorientierung und Kommunikationsstärke
Lernbereitschaft und Veränderungsfähigkeit
Risiko- und Regulatorik-Bewusstsein
hoher Qualitätsanspruch in Beratung und Abwicklung
Leader der Zukunft
Strategische Weitsicht bei begrenzten Ressourcen
Change‑Management und Kulturentwicklung
Priorisierungsstärke
Technologiekompetenz (in der Tiefe so viel wie nötig, in der Breite so viel wie möglich)
Ergebnisorientierte, transparente Führung
Fähigkeit, Teams mitzunehmen – nicht nur anzuleiten
Wenn Kapazität, Kompetenz und Ressourcen fehlen
Keine Regionalbank kann alles selber stemmen und wird sich den Rahmenbedingungen entsprechend organisieren müssen. Wenig Ressourcen, Doppelrollen und fehlende Expertise dürfen nicht zum Zukunftsblocker werden.
Regionalbanken setzen deshalb oft punktuell mit Erfolg externe Expertise ein. In unterschiedlicher Ausprägung und je nach Budgetsituation.
Lösungsansätze zur Lösung von Engpässen und Einbringung von externer Expertise:
Temporäre Verantwortungsrolle (auf Zeit in ad interim Mandaten)
Führung auf Zeit
Bridge Leadership (Offboarding als Basis zum Onboarding)
Externe Fach- oder Führungsunterstützung und -begleitung (Mentor, Coach, Sparring)
Executive on Demand
Projektbasierte Verantwortung
Sie zeigen, worum es wirklich geht: gezielte Unterstützung, nicht Notfall-Besetzung.
Fazit: Der Mensch bleibt Erfolgsfaktor Nr. 1 – jedoch braucht er neues Werkzeug
2026 verlangt Regionalbanken viel ab: Technik, Effizienz, Offenheit, klare Führung. Doch ihre besondere Stärke bleibt bestehen – vielleicht stärker denn je:
Sie sind nah. Vertrauenswürdig. Stabil. Und sie verbinden Innovation mit Bodenständigkeit.
Mit den richtigen Kompetenzen – und dem Mut, Neues anzunehmen – können Mitarbeitende wie Führungsteams gestärkt die Zukunft im Banking gestalten.


Ein moderner Leader im Banking würde kritisch anmerken, dass viele Institute noch immer in Denkmustern verharren, die aus einer Zeit stammen, in der Stabilität über Veränderung gestellt wurde. Während der Markt sich rapide wandelt – getrieben durch Digitalisierung, neue Kundenerwartungen, FinTechs und Regulatorik – agieren manche Führungsteams eher verwaltend als gestaltend.
Das grösste Risiko ist heute oft nicht der Wandel selbst, sondern das zu späte oder zu zögerliche Reagieren darauf.
Aus einer kritischen Sicht müsste Leadership im Banking längst mehrere Paradigmenwechsel vollzogen haben:
❌ weg von Hierarchie, hin zu Selbstverantwortung
❌ weg von Kontrolllogiken, hin zu lernenden Organisationen
❌ weg von Produktdenken, hin zu echtem Customer Need and Experience